Die UCI Straßenrad WM wird jedenfalls in die Geschichtsbücher eingehen. Nicht nur wegen des 28% steilen Schlussanstiegs - der „Höttinger Höll“ - sondern auch aufgrund eines spannenden Rennverlaufs, eines in Jahren alten aber neuen Weltmeisters und der traumhaften Kulisse der Tiroler Berge.

Doch die UCI WM auf das Elite-Rennen der Herren zu reduzieren wäre unfair - die ganze Woche lang erbrachten Fahrerinnen und Fahrer aller Altersklassen und Disziplinen Höchstleistungen, erzielten für sich und ihr Land neue Bestmarken und konnten sich in die Geschichtsbücher des Radsports eintragen.

Während die Rennen an sich - Fahrer, Zieleinläufe und Ergebnisse - ohnehin flächendeckend dokumentiert werden, verlegen wir uns auf das „Drumherum“. Die Gesichter, Emotionen, Sorgen und Ängste, die Freude, Anspannung, Jubel und Enttäuschung sind Zutaten unserer WM Zusammenfassung in fünf Teilen. UCI-Straßenrad-WM_Intro

Teil 1: Konzentration


Kurz vor dem Start der UCI Straßenrad WM wird es noch einmal ruhig auf dem Parkplatz, wo Truck neben Camper neben Truck geparkt stehen. Die Walzen surren, der Schweiß tropft und die Fahrer sind dank Kopfhörern in ihre eigene Welt getaucht.

Die letzten Minuten vor dem Rennen sind wichtig, um den Körper auf Betriebstemperatur zu bringen, die Gedanken noch einmal zu sammeln, sich auf die kommenden Minuten und Stunden zu konzentrieren. Erst der Jubel der Menge auf der Startrampe oder unter dem Startbogen holt die Fahrerinnen und Fahrer wieder zurück auf den Boden der Realität - los gehts! UCI-Straßenrad-WM_Konzentration

Teil 2: Schmerz


Das Leben ist kein Zuckerschlecken, und Radrennen schon gar nicht. Wo Hobbysportler an die Grenzen ihrer Komfortzone gelangen und diese vielleicht ab und zu sanft überschreiten, da beginnt für Profiradsportlerinnen und -sportler erst das Tagesgeschäft. Egal wie lange man sich im Peloton verstecken kann oder auf die Hilfe von Teamkollegen zählen kann, irgendwann müssen die eigenen Leistungen abgerufen werden und dann auch so gut wie immer im roten Bereich.

Am ehrlichsten ist in diesem Zusammenhang ohnehin das Straßenrad Zeitfahren - alleine gegen die Uhr und ohne jegliche Unterstützung zählt nur die abgerufene Leistung und führt vor Augen, was man wirklich zu leisten imstande ist - oder nicht. UCI-Straßenrad-WM3

Teil 3: Freude


Freude hat unterschiedliche Gesichter: Jubel über den Sieg, Erleichterung über das überstandene Straßenrad-Rennen oder Freude für die Teamkollegin oder den Mannschaftskollegen. Mit jedem Erfolg wird man stärker, verbucht einen weiteren Eintrag im persönlichen Logbuch und schöpft Kraft für kommende Herausforderungen. Freude ist aber auch Spaß an der Sache, die schönste Sportart der Welt zu genießen. UCI-Straßenrad-WM_Freude

Teil 4: Fans


Zurufe, Applaus und Jubel machen Großveranstaltungen erst zu dem, was sie sind - Volksfeste! Aus aller Welt kommen Menschen zusammen - den Mutterländern des Rennrad-Sports, Exoten und natürlich die Fans der austragenden Nation, die das Rennen quasi vor der Haustüre mitverfolgen können.

Bei Kaiserwetter haben sich in den Bergen rund um Innsbruck über eine halbe Millionen Fans versammelt, umzieh unterschiedlichen Rennen mitzuverfolgen und ihre Schützlinge anzufeuern. Die Stimmung am Berg Isel während des Herren-Rennens am Sonntag war großartig - kämpfende Fahrer wurden zu noch größeren Leistungen angespornt, aussichtslos platzierte Sportler feierten mit den Menschen am Streckenrand. UCI-Straßenrad-Fans

Teil 5: Landschaft


Es war die - laut Eigendefinition - schwerste UCI Straßenrad WM aller Zeiten. Wer das Inntal und Tirol kennt, weiß um die topologischen Rahmenbedingungen, es geht entweder unten im Tal flach dahin oder eben sehr steil bergauf. Das Streckendesign sämtlicher Bewerbe war jedenfalls eine Herausforderung für alle teilnehmenden Sportlerinnen und Sportler, die Stimmung an den Schlüsselstellen diente aber als Entschädigung. UCI-Straßenrad-WM_Landschaft

UCI WM Yorkshire 2019


Nach der UCI WM ist vor der UCI WM, bereits in Innsbruck waren zahlreiche T-Shirts mit der Aufschrift „Yorkshire 2019“ zu sehen. Die höchste Erhebung des Herren-Rennens ist dort 510 Meter hoch, schön also, dass in Innsbruck die Bergfahrer und Puncheure ihre verdiente Chance bekommen haben.


Text und Fotos: Martin Granadia