Ihr freut euch schon auf Powder-Days im Tiefschnee oder habt auch schon einige davon hinter euch?

Ob Skifahren, Snowboarden oder Tourengehen - Wintersport abseits der befestigten Pisten wird immer beliebter!

Leider passieren aber auch immer wieder Unfälle, die zeigen - hinter dem weißen Vergnügen verbirgt sich auch eine tödliche Gefahr!

In unserem Keller Sports Store in München hatten wir mit Volker Krügel einen erfahrenen Bergführer und echten Experten in Sachen Wintersport und alpine Gefahren für euch zu Gast. Der Vortrag stand unter dem Motto "Snow & Safety" und gab den gespannten Zuhörern einen Einblick in die allgemeine Lawinenkunde, in den Aufbau und die Interpretation des Lawinenlageberichts und in alles Wissenswerte rund um die Notfallausrüstung.

Die wichtigsten Punkte rund um Lawinen, wie sie entstehen und was man im Ernstfall zu beachten hat haben wir für euch im Folgenden aufbereitet.

Der Vortrag und auch dieser Beitrag ist lediglich als erstes Schnuppern in die Thematik zu betrachten, ähnlich der ersten Theorieeinheit beim Erlangen des Führerscheins. Auch hier gilt: Üben, üben, üben (am Berg). AvalancheKSP

Lawinen und ihre Entstehung


Damit eine Lawine überhaupt erstmal entsteht, muss eine große Menge an gebundenem Schnee vorhanden sein. Hinzu kommt die Vorraussetzung einer geringen Schneefestigkeit, das heißt, einer schlechten Bindung des neuen Schnees zur darunterliegenden Schneeschicht.

Zum Auslösen der Lawine ist die Zusatzbelastung entscheidend. Umso höher die Zusatzbelastung auf eine Schneefläche, umso wahrscheinlicher die Entstehung einer Lawine. Von einer großen Zusatzbelastung spricht man beim Kurzschwung, Sprüngen, Stürzen und beim Aufstieg und der Abfahrt in der Gruppe ohne Entlastungsabstände.

Unter Entlastungsabständen versteht man den Abstand, der um jeden Wintersportler eingehalten werden soll um den Druck auf die Fläche um den Menschen möglichst gering zu halten. Anders ausgedrückt soll die Fläche auf die der Druck eines Menschen wirkt möglichst groß gehalten werden. Bei zu engen Abständen wirkt dementsprechend ein höherer Faktor auf eine Stelle und die Lawinengefahr steigt.

95% der Lawinenopfer lösen die Lawine selbst aus, in der sie verunglücken.

Viel Schnee in Verbindung mit Wind und kalten Temperaturen sind hier die besten Voraussetzungen für eine Lawine. Das Gelände stellt im unverspurten Zustand und ab einer Neigung von 30° die größte Gefahr dar. Eine Lawine, auch Schneebrett genannt, löst sich wenn eine Schwachschicht in der Schneedecke vorhanden ist. AvalancheKSP2

Lawinenlagebericht


Ein Lawinenlagebericht ist ein täglich aktualisierter Bericht zum Schneedeckenaufbau und zur Beurteilung der Lawinengefahr. Die Wettervorhersage sowie eine Prognose über die weitere Entwicklung sind ebenso Teil des Berichts, der dank Informationen von Beobachtern, Messstellen, Schneeprofilaufnahmen und Gebietskennern ermittelt werden kann. Zur vereinfachten Darstellung wird in 5 Lawinengefahrstufen eingeteilt, von Stufe 1(Gering) bis hin zu Stufe 5 (Sehr groß).

Stufe 1 – Gering


Wenn in eurem Lawinenlagebericht Stufe 1 angezeigt wird könnt ihr von einer gut verfestigten und stabilen Schneedecke ausgehen. Nur bei großer Zusatzbelastung an vereinzelten Stellen und im extremen Steilgelände ist eine Lawinenauslösung möglich. Allgemein herrschen Lawinensichere Verhältnisse und es sind sichere Tourenverhältnisse zu erwarten.

Stufe 2- Mäßig


Bei Stufe 2 ist die Schneedecke an einigen Steilhängen nur noch mäßig verfestigt, im Allgemeinen ist sie aber gut verfestigt. Lawinen sind spontan nicht zu erwarten, jedoch bei großer Zusatzbelastung in manchen Steilhängen möglich.

Hänge über 40° Steilheit sollten gemieden werden, mindestens Hanglagen die im Lawinenlagebericht erwähnt wurden, beispielsweise Hänge mit frischem Triebschnee.

Abgesehen von lokalen Gefahrenstellen herrschen günstige Tourenbedingungen.

Stufe 3 – Erheblich


Bei Stufe 3 ist deutliche Vorsicht geboten! An vielen Steilhängen ist die Schneedecke nur mäßig bis schwach verfestigt. Bereits bei geringer Zusatzbelastung ist das Auslösen einer Lawine möglich. Neben der Gefahr an angegebenen Steilhängen ist hier auch mit vereinzelten mittleren und großen, spontanen Lawinen zu rechnen.

Alle Hänge die im Lawinenlagebericht genannt werden und eine Steilheit von über 35° aufweisen sollten gemieden werden. Als Richtwert sollte man unbedingt auf Hänge verzichten, für die Spitzkehren beim Aufstieg nötig sind.

Eingeschränkte Tourenmöglichkeiten! Nur mit fachlichem Beurteilungsvermögen!

Stufe 4 - Groß


Die Schneedecke ist an den meisten Stellen schwach verfestigt. Bereits bei geringer Zusatzbelastung ist eine Lawinenauslösung an zahlreichen Steilhängen wahrscheinlich. Spontane Lawinen sind hier mehrfach zu erwarten. Auf Hänge über 30° Hangsteilheit sollte nun komplett verzichtet werden.

Stark eingeschränkte Tourenmöglichkeiten! Nur mit großem fachlichem Beurteilungsvermögen ist überhaupt an eine Skitour zu denken.

Stufe 5 -Sehr Groß


Weitgehend instabile und schwach verfestigte Schneedecke. Bereits in mäßig steilem Gelände sind viele große spontane Lawinen zu erwarten. Hier wird der Skitourismus eingestellt!

Es herrscht der Ausnahmezustand! Skitouren und Freerides sind definitiv nicht möglich.

Selbst mit Jahrelanger Erfahrung ist es recht schwierig die Steilheit bzw. den Winkel eines Hanges genau zu bestimmen. Um 10° kann man sich schnell mal verschätzen, die der Berg jedoch nicht verzeiht. Man kann hierzu erfinderisch mit verschiedensten Konstruktionen, wie beispielsweise dem Skistecken, werden. Der Experte empfiehlt jedoch einfach eine App auf das Handy zu laden und damit im Handumdrehen den Winkel exakt zu berechnen. AvalancheKSP3

Verhaltensgrundregeln bei der Abfahrt einer Skitour


Zur gleichen Zeit sollte nur bei absolut sicheren Verhältnissen gefahren werden, ansonsten gilt stets einzelnes Abfahren! Der Leiter der Gruppe sollte voraus fahren und in regelmäßigen Abständen an sicheren und geschützten Sammelpunkten auf die Gruppe warten.

Dieser wird nicht überholt! Ein Sicherheitsabstand von 50 Metern ist in jedem Fall empfehlenswert. Bei schlechter Sicht und schlechtem Schnee sollte in Sicherheitsabständen hintereinander in einer Spur gefahren werden. Gegenseitig beobachten und aufeinander Acht geben ist hier besonders wichtig.

Im unübersichtlichen Wald gilt das "Buddy-Prinzip". Je zwei Gruppenmitglieder sind füreinander verantwortlich und lassen sich nicht aus den Augen. AvalancheKSP4

Die Rettung mit dem richtigen Equipment


Das Mitführen der entsprechenden Notfallausrüstung ist absolut erforderlich! Die Überlebenswahrscheinlichkeit ist in den ersten 15 Minuten noch relativ hoch mit 90%. Nach diesem Zeitfenster bricht die Wahrscheinlichkeit jedoch drastisch ein.

Lediglich mit kompletter Notfall-Ausrüstung, schneller Kameradenrettung und viel Training hat man eine realistische Chance den Verschütteten schnell bergen zu können. 30 Minuten nach der Verschüttung liegt die Überlebenswahrscheinlichkeit nur noch bei 40%, nach 60 Minuten nur noch bei 30%. Es zählt also jede Minute im Kampf um Leben und Tod. AvalancheKSP5 Zur Standardausrüstung abseits der befestigten Pisten sollten ein Lawinen-Verschütteten-Suchgerät (kurz LVS -Gerät), eine Lawinenschaufel und eine Sonde gehören. Darüber hinaus kann man seine Ausrüstung noch um einen Airbag-Rucksack erweitern. Das Mitführen der klassischen Notfallausrüstung ist trotzdem in jedem Fall erforderlich. Mit dem eigenen Airbag Rucksack kann man nun mal keinen Kameraden retten.

Für das LVS-Gerät werden von unserem Experten die Marken Mammut und Pieps empfohlen, deren Geräte beide in unserem Onlineshop erhältlich sind. In den Geräten empfiehlt sich die Verwendung von Batterien statt einem Akku. Ein Akku hält eine konstante Spannung und fällt dann plötzlich rapide ab. Batterien verlieren ihre Leistung in einem konstanten Zeitverlauf, somit ist hier eine deutlich bessere und sicherere Planung möglich.

Die Funktionen der Sonde und der Schaufel sollten auf keinen Fall unterschätzt werden und auf dieselbe Stufe wie ein LVS-Gerät gestellt werden. Lokalisiert wird der Verschüttete häufig recht zügig. Anschließend kommt es zu den Zeitintensiven arbeiten. Ohne Schaufel und/oder Sonde rutscht man sehr schnell in die Zone der kritischen Überlebenswahrscheinlichkeit hinein, da das Graben ohne Schaufel bei vor allem dichten Schnee um ein vielfaches Länger dauert. Das Handy in der Nähe des LVS-Gerätes kann zum tödlichen Störfaktor werden, da die Signale des Mobiltelefons die Signale des LVS-Geräts stark beeinträchtigen.

Im Modus "Finden" müssen mindestens 20 cm Abstand vom Handy zum LVS-Gerät gehalten werden! Im Modus "Suchen" müssen es mindestens 50 cm Abstand sein! Hier empfiehlt sich eine Kombination aus beispielsweise rechter Hosentasche und Linker Brusttasche während dem Ausüben des Sports.