Durch unseren Partner Mammut konnten wir dem Profi-Freeski-Fahrer Jérémie Heitz unsere Fragen stellen. Wir haben ihn zu seiner Person, seinen Projekten, seiner Ausrüstung und dem richtigen Abschätzen von Freeskiing-Risikos befragt. Außerdem haben wir ihn gebeten seine Einschätzung zu dem neuen Mammut Barryvox S LVS-Gerät abzugeben.

Wie schätzt man eine Lawinengefahr ein? Wie verhält man sich bei einer Lawine? Und wie fährt man überhaupt so steile Berge hinunter mit dem Wissen, dass jederzeit eine Lawine abgehen könnte? Welche Ausrüstung und welches Wissen hilft dabei?

Hier könnt ihr das Interview mit dem sympathischen Schweizer nachlesen. Wir sind auf jeden Fall schon gespannt auf den nächsten Freeski-Film von Jeremie Heitz. Mammut Freeski Athlet Jeremie Heitz

Interview mit Jérémie Heitz


Keller Sports: Jérémie, du giltst schon seit jungen Jahren bei deinen Starts auf der Freeride World Tour als einer der besten Freerider der Welt. Wie bist du zu dem Sport gekommen?

Jérémie Heitz: Es war und ist eine natürliche Entwicklung. Der Sport bringt mich jedes Jahr in neue Gebiete.

Keller Sports: Nach der Freeride World Tour 2016 hast du dich vom Wettkampf zurückgezogen und dich mehr auf deine Projekte fokussiert. Was hat dich an den Filmprojekten mehr interessiert?

Jérémie Heitz: Ich habe von Anfang an zu mir selbst gesagt „Es wäre ein Traum. wenn ich eines Tages von Film-Projekten leben könnte“. Die Wettbewerbe der Freeride World Tour haben es mir ermöglicht die ersten Projekte zu verwirklichen.

Insgesamt sind Filmprojekte etwas ganz anderes als die Wettbewerbe. Man geht dahin wo man will, um eine Geschichte zu erzählen, die einem selber wichtig ist. Ein einfacher Ansatz für einen einfachen Sport. Mammut Jeremie Heitz Freeski Jump Dolomiten Keller Sports: Vor wenigen Jahren hast du dann mit dem Freeski-Projekt "La Liste" die komplette Ski-Szene auf den Kopf gestellt. Es waren atemberaubende Abfahrten über die schönsten aber auch steilsten Abhänge der Alpen. Wie würdest du das Projekt heute zusammenfassend beschreiben?

Jérémie Heitz: Ein alter Traum, der Wirklichkeit wurde: Die schönsten Gipfel der Alpen mit Ski zu befahren war eine richtige Lebenserfahrung

Keller Sports: Jetzt planst du das nächste, noch geheime Projekt, wozu auch die Vervollständigung von "La Liste" gehört. Vier der 15 vorgenommenen Berge konntest du wegen den Bedingungen zu der Zeit nicht fahren. Glaubst du unter anderem das Matterhorn diesmal befahren zu können?

Jérémie Heitz: Es wäre so cool, die Berge, die ich mir überlegt habe, noch herunterzufahren. Ich hoffe, dass wir bald soweit sind. Im Moment konzentriere ich mich aber vor allem auf mein neues Projekt: Ein Paar 6000er zu befahren. Keller Sports: Weil wir gerade über die Bedingungen reden, welche Rolle spielen sie, wie schätzt du sie und das damit einhergehende Risiko ein?

Jérémie Heitz: Die Bedingungen sind alles, vor allem beim Tiefschnee-Skifahren. Es ist ein riesiger und entscheidender Teil der Risiko-Bewertung.

Keller Sports: Wie bereitet man sich eigentlich auf eine Abfahrt mit bis zu 60° steilen Abhängen vor? Welche Faktoren sind entscheidend?

Jérémie Heitz: Es ist ein langer Prozess. Ich sage immer, dass es ein Teil meiner gesamten Entwicklung auf Ski ist. Ich bin in den Bergen aufgewachsen, wo wir jeden Tag Skifahren konnten. Es hilft enorm, wenn du die eine Erfahrung aufbauen kannst in einem Sport, der noch in den Kinderschuhen steckt. Jérémie Heitz Interview Mammut Freeskiing Freeride Freeski Keller Sports: Auch wenn man perfekt vorbereitet ist kann ja immer etwas schief laufen. Hat man das im Hinterkopf?

Jérémie Heitz: Ich weiß, dass es ein Teil meiner Leidenschaft ist. Die Überraschungen zu minimieren ist der Grund, warum ich alles gebe.

Keller Sports: Gab es bei einer deiner Abfahrt auch brenzlige Momente? Bei derartigen Steilhängen ist die Gefahr einer Lawine oder eines Sturzes immer gegeben. Hast du das auch schon erleben müssen?

Jérémie Heitz: Ja es ist mir schon passiert und ich weiß, dass es wieder passieren kann und wird. Das Gute ist, je mehr du auf den Ski stehst und im Schnee unterwegs bist, desto mehr Erfahrung sammelst du auch.

Diese bösen Überraschungen sind leider Teil des Lernprozesses. Wir bewegen uns in wilder, unvorhersehbarer Natur. Dort muss man Respekt haben, sehr vorsichtig sein und lernen, wie man sich in einer solchen Umgebung bewegt. Jeremie Heitz Mammut Freeskiing Freeride Keller Sports: Das, was dich zum absoluten Freeski-Pionier macht ist die Art und Weise, wie du die Berge befährst. Extrem hohe Geschwindigkeiten, weniger Schwünge sondern eher eine flüssige Linie. Welche Rolle spielt da das Material? Wäre das mit dem Material von früher überhaupt möglich gewesen?

Jérémie Heitz: Das Material ist extrem wichtig. Es ist die Grundvoraussetzung, um solche Berge auf Ski mit Leichtigkeit flüssig zu befahren. Meine Ski sind 1,90m lang, haben eine Mittelbreite von 115mm und sind relativ schwer.

Die Skischuhe sind dieselben, wie sie bei Alpinrennen verwenden. Sie sind sehr steif, dafür aber auch extrem präzise. Sie haben keine bewegliche Skitour-Einstellung. Mit meiner restlichen Ausrüstung bin ich sehr vorsichtig was das Gewicht angeht. Das ist vielleicht auch der Grund, warum ich mit Schweizer Marken wie Mammut zusammenarbeite.

Keller Sports: Wie gesagt liegt beim Freeskiing die Gefahr einer Lawine immer in der Luft. Wie verhält man sich im Falle eines Lawinenabgangs?

Jérémie Heitz: In dem Fall ist die Geschwindigkeit dein Freund! :-) Es ist schwer zu sagen, weil jede Lawine anders ist. Das Beste ist es die Situation genau abzuschätzen. Heutzutage haben wir zum Glück sehr fortschrittliche Ski-Ausrüstung, wie LVS-Geräte und Airbags. Dieses Equipment kann einem wirklich das Leben retten, vorausgesetzt man weiß auch wie man sie verwendet. Jeremie Heitz Skitour les Marecottes Freeski Keller Sports: Mammut, einer deiner Sponsoren, hat vor kurzem ein neues Lawinenverschüttungssuchgerät (LVS) vorgestellt. Wie funktioniert das und wie wichtig ist es so etwas dabei zu haben?

Jérémie Heitz: Das Mammut Barryvox ist ein beeindruckendes Gerät. Es ist viel schneller und viel genauer als seine Vorgänger. Das können Faktoren bei einer Rettung sein, die über Leben und Tod entscheiden. Außerdem hat Mammut auch die Bedienung vereinfacht. So kann nach etwas Training jeder das Gerät intuitiv und schnell verwenden.

Keller Sports: Welche Ausrüstung würdest du neben dem LVS jedem Freeskier empfehlen?

Jérémie Heitz: Ich würde jedem Freeski Fahrer einen Airbag, eine Schaufel und eine Sonde empfehlen mitzunemen. Das wichtigste ist aber, dass sie wissen, wie man die Ausrüstung hernimmt. Scheut euch nicht den ein oder anderen Lawinen-Kurs mitzumachen. Jeder Bergführer-Verein und Skischule bietet solche Kurse an.

Keller Sports: Jérémie, vielen Dank für deine Zeit! Wir sind bereits jetzt auf deine weiteren Projekte gespannt und wünschen dir weiterhin viel Erfolg und Spaß bei deiner Leidenschaft! Jeremie Heitz Freeride Freeski Mammut Interview